Rassebeschreibung
Aus Frederiksborger
Ansprüche, Interieur und Charakter
Der Frederiksborger ist ein genügsames, leichtfuttriges und anspruchsloses Pferd. An das nördliche Klima angepasst, kommt die Rasse mit Temperaturschwankungen und mit jedem Wetter gut klar. Sommerekzem oder Hufprobleme treten nur dann auf, wenn Mangelerschienungen in der Aufzucht ursächlich sind (z.B. starke Verwurmng). Frederiksborger Fohlen und Jungpferde entwickeln sich sehr regelmäßig, ohne auffallende Wachstumsschübe, so dass man ihr Exterieur in jeder Entwicklungsphase relativ gut beurteilen kann. Ihr Interieur lässt sich ebenfalls einheitlich beschreiben. Der Frederiksborger ist sehr freundlich, sozial und kontaktfreudig. Diese Eigenschaften zeigt er auch in der Herde (ein wenig erinnert sein Verhalten an das der dänischen Menschen!). Der Charakter des Frederiksborgers ist natürlich abhängig vom Umgang des Menschen mit ihm und vom Geschlecht.
Hengste sind feurig, selbstbewusst, stolz und zäh, dabei aber ihrem Besitzer stark zugewand und bereit, mit ihrem Menschen durchs Feuer zu gehen. Sie sind höchst intelligent, leistungsbereit, unerschrocken und präsentieren sich gerne unter dem Reiter. Sie lieben LOB und Applaus. Bei der ”Erziehung” sollte man allerdings mehr auf Mitarbeit als auf absolute Machtkontrolle und Dominanz bauen. Ein Frederiksborger will gefragt werden, bevor er etwas für dich macht!
Stuten sind oftmals sehr mütterlich und in der Herde insofern dominant, als dass sie mit jedem Herdenmitglied in Kontakt stehen wollen. Sie lassen sich nicht so leicht ”abwimmeln”, auch nicht von ihrem Menschen. Ihre Anhäglichkeit und Fixierung auf den Menschen nimmt teilweise ”tamagotchiartige” Züge an. Aussprüche wie ”kümmere dich um mich”, ”mach was mit mir” werden ziemlich deutlich kundgetan. Auch die Stuten sind überaus intelligent, zäh, leistungswillig und ehrgeizig. Wiederholung langweilt sie bald, Neues wird aufgesogen und gerne gezeigt. Ihrer Natur nach wirken sie manchmal zickig, sind aber leicht überzeugbar und schnell wieder bei der Sache.
Wallache wirken sehr unkompliziert, sind aber sensibel und unheimlich menschenfreundlich. Man hat fast den Eindruck, dass sie die ihnen genommene Hengstnatur dadurch kompensieren, dass sie sich voll und ganz in den Dienst ”ihres” Menschen stellen. Aufopferungsbereit wollen sie immer alles richtig machen, wirken ständig arbeitsbereit, neugierig und motiviert. Auf intelligente Weise versuchen sie, mit ihrem Menschen zu kommunizieren, was das Reiten zu Zwiegespräch werden lässt. Ihre Offenheit ist einnehmend und färbt ihren gesamten Ausdruck. Jedoch Vorsicht! Enttäuscht man einen Wallach und kränkt ihn auf ungerechte Weise, wird er unsicher und wendet sich ab. Vertrauen braucht man sich bei ihm nicht zu erarbeiten, man muss es erhalten!
Natürlich sind diese Beschreibungen sehr subjektiv – basieren sie doch auf Erfahrungen von Frederiksborger Liebhabern und auf den vielen eigenen Erlebnissen mit den Pferden dieser Rasse. Dennoch: wie ein roter Faden ziehen sich diese Merkmale durch die Geschichte der Rasse - Grund genug, die Frederiksborger Pferde zu retten! (Inka Bennemann)
Exterieurbeschreibung und Zuchtmerkmale für das klassische Frederiksborger Pferd
Einleitung Für das Projekt der Frederiksborger Reitakademie * kommen nur Pferde mit bestimmter Qualität und besonderem Exterieur in Betracht Nach den unten genannten Merkmalen soll eine Selektion für den Gebrauch in der Reitakademie stattfinden. Außerdem können die Forderungen auch den Züchtern, die Pferde für das Projekt züchten möchten, als Inspiration dienen.
Problemanalyse Die heutige Zucht des Frederiksborgers bringt verschiedenartige Typen hervor, die sich aus der Zuchtgeschichte der Rasse ergeben (Schulpferd Barock/Renaissance, Kavalleriepferd, Bauernpferd/Arbeitspferd, Fahrpferd, Sportpferd). Dabei handelt es es meist um mehr oder weniger gelungene Mischungen der unterschiedlichen Rassetypen. Obwohl im Verbandsreglement des FHF festgeschrieben ist, dass man ”das einzigartige Exterieur schützen und bewahren soll und dieses so nah wie möglich an die klassische Prägung des Frederiksborgers heranreichen soll”, sieht das gegenwärtige Zuchtziel in der Praxis so aus, dass hauptsächlich Frederiksborger als zuchttauglich anerkannt werden, die im Warmblut- und Sportpferdetyp stehen. Um möglichst die Reinerhaltung der Rasse zu förern, ist es das Ziel (in Anlehnung an das o.g. Zitat), ein barockes Schulpferd, basierend auf den Zuchtzielen des Frederiksborger Gestütes von 1778, zu züchten. Dieser Typus entspricht den Beschreibungen von F. R. de la Guérinière in seinen Schriften der ”Ecole de Cavalerie” bzw. Bent Branderups Studien über barocke Pferderassen.
Schlussfolgerung Die Beschreibung der Exterieurmerkmale des klassischen Frederiksborgers richten sich nach den historischen Quellen (s.o.) und den Erscheinungsbildern heutiger, barocker Pferderassen.
- Das Projekt ”Reitakademie in Frederiksborg” wird auf der Seite www.fredeerfa.dk unter dem Menuepunkt ”Rideakademie” beschrieben (Dänisch mit Bildern). Vision: Ein modernes Reitzentrum mit großer Halle für Aufführungen, Stallungen, Hengststation und Internat auf dem Gelände des Schlosses Frederiksborg bei Hilleröd/ Nordseeland.
Beschreibung
Die Interessengemeinschaft ”FredeErfa” beabsichtigt, die Zucht von Frederiksborger Pferden durch Reinzucht (soweit möglich) und Rekonstruktionszucht zu unterstützen, so dass das klassische Frederiksborger Pferd bewahrt und in der Reitakademie eingesetzt werden kann.
Kopf und Hals
Kleiner, bis mittelgroßer Kopf, trockene und ausgeprägte Gesichtszüge, gerne mit konvexem Profil (leichter ”Ramskopf”) Kleine, schmale, aufgestellte Ohren
Große, hervortretende Augen (nicht zu schmal und tiefliegend) Gerader Unterkiefer
Gute Ganaschenfreiheit, sichtbarer Übergang zwischen Kopf und Hals, Oberkiefer größer als Unterkiefer
Langer, hoch aufgesetzter Hals, nicht zu schwer, Übergang zum Widerrist ohne Axthieb, ausgewogenes Verhältnis zwischen Halsansatz – Schulter und Buggelenk
Ein langes Genick, das in ein leicht gebogenen Hals übergeht, wobei sich die Halswölbung in der Aufrichtung am höchsten Punkt des Genicks beginnt (aber kein Schwanenhals)
Volles Stirnhaar und volle Mähne
Schulter, Widerrist / Vorhand
Lange, schräge, große, gut geformte flache Schulter mit großer Bewegungsfreiheit
Winkelung ca. 90 Grad (Winkel zwischen Schulterblatt und Oberarm)
Wenig markierter, etwas zurückliegender Widerrist (unterstützt die Schulterfreiheit) Zur Größe des Pferde passende Brustbreite - und Tiefe
Oberlinie, Rumpf/ Hinterhand
Gewünscht ist ein Quadratpferd
Kurzer Rücken mit einer starken Rückenbemuskelung/ Oberlinie
Abgerundete, breite Kruppe, gerne mit Einkerbung (”Apfelhintern”), Schweifansatz nicht zu hoch getragen, langhaariger, dichter Schweif.
Tiefer, breiter, gewölbter Brustkorb (zur besseren Atmung)
Vorderbeine:
Leichte, trockene Vorderbeine, regelmäßige Gliedmaßenstellung, die Länge der Vorderbeine soll zum Körper passen, so dass dieser dem Quadratpferdetyp nahe kommt.
Ellbogenfreiheit, (der Ellbogen soll nicht zu nah am Körper sein, aber auch nicht abstehen)
Muskulöser, kurzer Unterarm (in Relation zum Röhrbein) für hohe Knieaktion Großes, flaches Vorderfußwurzelgelenk Große, muskulöse Fessel Kronrand und Hufwand im passenden Winkel
Hinterbeine:
Leichte, trockene Hinterbeine, regelmäßige Gliedmaßenstellung, die Länge der Hinterrbeine soll zum Körper passen, so dass dieser dem Quadratpferdetyp nahe kommt.
Direkt unter der Hüfte platziertes Knie (gleichschenkliges Dreieck zwischen Hüfte, Knie und Beckenknochen oder gleichseitiges Dreieck, wobei die Seiten im Dreieck von der Hüfte zum Beckenknochen und vom Knie zum Beckenknochen gleich lang sind)
Unter dem Beckenknochen platziertes Sprunggelenk, groß und muskulös
Passende, große, muskulöse Fessel Kronrand und Hufwand im passenden Winkel
Bewegungsablauf:
Taktfest, geschmeidig, raumgreifend mit Schubkraft aus der Hinterhand, Knieaktion und Aktion im Sprunggelenk
Farbe und Abzeichen:
Keine oder wenige Abzeichen bei einfarbigen Pferden
Ideales Stockmaß:
Hengste: nicht über 156 cm Stuten: nicht über 156 cm
Der Idealtyp des klassischen Frederiksborgers ähnelt dem des Reiterdenkmals von Jaques Saly auf dem Schlossplatz von Amalienborg.
Anhand der Figur lassen sich alle Merkmale erkennen:
- leichter Ramskopf
- große, hervorgehobene Augen
- kleine Ohren
- langes Genick
- langer, geschwungener, hoch angesetzter Hals
- Lange, schräge, flache Schulter (Winkel Oberarm – Schulter = 90 Grad)
- wenig ausgeprägter Widerrist (ohne Axthieb)
- kurzer Rücken und kurze Lende abgerundete Kruppe Direkt unter der Hüfte platziertes Knie (gleichschenkliges Dreieck zwischen Hüfte, Knie und Beckenknochen),
- beinahe quadratischer Körperbau
- hohe Knie- und Sprunggelenkaktion
Die Hengste, die für die Statue Modell standen, hatten ein Stockmaß zwischen 148 cm und 164 cm (Durchschnitt 155 cm).
Das Material wurde freundlichst zur Verfügung gestellt von Anne Fjellbro Petersen / Übersetzung:Inka Bennemann