Der Frederiksborger

Aus Frederiksborger

Wechseln zu: Navigation, Suche

Die Frederiksborger Zucht

Text von Anne Fjellbro-Petersen/ Übersetzung & Bildauswahl frei von Inka Bennemann


Stand um 1900:

"Zarif (?)"(nach Gebauer)


„Wirft man einen Blick auf die Stammtafeln (…) bezüglich der Stammväter aller noch lebender, bekannter Frederiksborger, haben wir hier bereits eine recht eindeutige Antwort auf die bedeutungsvolle Frage über die Zukunft des Frederiksborger Pferdes: Was versteht man in der gegenwärtigen Zeit unter der Bezeichnung „Frederiksborger Pferd“? Um die Frage zu beantworten, ist es notwendig, sich Klarheit über das Vorkommen unserer noch lebenden Pferde und ihrer „Rasse“ zu verschaffen. In dieser Hinsicht informieren uns die Stammtafeln darüber, dass unsere Pferde aus der Veredelung einer ursprünglichen, kleinen, seeländischen Landrasse (verwandt mit den kirgisischen Mongolenpferden) mit den edlen Hengsten des Gestütes hervorgingen. Diese Veredelung hat vor über vierhundert Jahren begonnen. Zunächst handelte es sich ausschließlich um Anpaarungen mit Hengsten der „Alten Frederiksborger Rasse“, dann kamen die Englischen Vollblüter (Vollbluthengste wie z.B. „Zampa“, „Black Come“, „Rubini“) und letztendlich das Orientalische Vollblut (vornehmlich repräsentiert durch den Araberhengst „Zarif“) hinzu. Zu dieser Mischung wurden leider im Laufe der Zeit von Außen Bruchteile der gängigen Landrassen eingekreuzt, teilweise aus Seeland, meist aber aus Jütland. Von den jütischen Pferden war bekannt, dass sie einen hohen Anteil an Fremdblut hatten, wie z.B. Yorkshire Blut, Englisches Vollblut, allerdings aber auch einen Teil Frederiksborger Blut, das durch die in Jütland stationierten Gestütshengste eingebracht worden war. Diese verschiedenen Mischungen waren bereits vor über zwanzig Jahren entstanden. (…) Die unterschiedlichen Einkreuzungen sind jedoch nicht so bedeutend, dass man mit Recht unsere Frederiksborger Pferde als Halbblutpferde bezeichnen kann, obwohl sie aus der Kreuzung zwischen den gewöhnlichen Inselrassen mit edlem Blut, zu denen die drei oben genannten originalen Pferderassen gehören, hervorgegangen sind.“

Derart beschrieb der Tierarzt C. Klingenberg den Frederiksborger im Jahre 1900. Schon damals machte man sich Sorgen darüber, ob die Frederiksborger als selbständige Rasse überleben könnten. In der Folgezeit wurde die Stammbuchführung, wie wir sie heute kennen, begonnen. Sie diente als Leitlinie für die Zuchtbestrebungen und galt als Weiterentwicklung des bestehenden Prämierungs- und Körsystems.

Im Verlauf der Geschichte:

Im Vergleich zu anderen Landesteilen war Nordseeland, abgesehen vom königlichen Gestüt, im 17. Jahrhundert nicht als Zuchtgebiet für gute Pferde anerkannt. Die normalen Arbeitspferde wurden meist frei gehalten, d.h. sie liefen wild auf den Ländereien herum, suchten sich ihr Futter selbst und wurden für den Arbeitseinsatz – z.B. vor dem Pflug –eingefangen. Man kann sich dieses Pferd, ähnlich wie die Isländer, als klein, zäh und genügsam vorstellen.

So kann das seeländische Bauernpferd ausgesehen haben.


Ab 1747 wurde es den Bauern zur Auffrischung der Landrassen ermöglicht, ihre Stuten gratis von den Probierhengsten des königlichen Gestüts decken zu lassen. Inwieweit die Bauern dieses Angebot genutzt haben, ist nicht bekannt. Erst zu Beginn des 19. Jahrhunderts findet man Quellenregister, die darauf hinweisen, dass die Landgestütshengste aus Frederiksborg, insbesondere die Hengste der „Alten Rasse“ (Barocktypen), gut frequentiert wurden. Ab 1831 wurde das Projekt beendet, da man das zugeführte Stutenmaterial qualitativ als zu schlecht erachtete. Von nun an gab es keine kostenlosen Bedeckungen mehr - es wurden Decktaxen für die Benutzung der regulären Gestütshengste erhoben. Als weitere Möglichkeit der Erhaltung des edlen Blutes wird vermutet, dass reiche Bauern und Landadelige die Möglichkeit nutzten, auf den zahlreichen Auktionen, die zwischenzeitlich zur Reduktion des Frederiksborger Gestütes durchgeführt wurden, Tiere als Veredler für ihre eigene Zucht zu kaufen.


Stammtafel Morian II, 1838


Festzuhalten ist, dass durch das Bedeckungskonzept des 19. Jahrhunderts Frederiksborger Blut der alten Gestütsrasse in den Kreuzungen mit Bauernpferden überleben konnte. Trotz oder gerade wegen des Umbaus des Frederiksborger Gestütes zur Vollblutzucht ging man in der privaten Landpferdezucht den entgegen gesetzten Weg: Man setzte auf die Reinzucht der alten Gestütslinien. Die Landgestütshengste „Morian II“(1838-1845), sowie „Beaveren VIII“ (1835) wurden damals stark frequentiert. Diese zwei Hengste und ihre Söhne sind die bedeutenden Väter der Stutenstämme, denen unsere heutigen Frederiksborger angehören.


Bæveren II, geb.1782


Im Jahre 1852 wurde das erste Haustiergesetz, das zunächst den Fortbestand des eigentlichen Frederiksborger Gestütes sicherte, erlassen. Diese Verordnung half - für die Rasse des Frederiksborger Pferdes - die älteste Hengstlinie der Welt, nämlich die auf 1690 datierte „Regulus – Linie“, nachzuweisen. Die Regulus-Linie ist (neben der Hamlet-Linie)eine der zwei wichtigsten Hengstlinien, die man in der heutigen Frederiksborgerzucht wieder finden kann.


Regulus I, 1865


Da das Vollblutgestüt bis zur 2. Hälfte des 19. Jahrhunderts nicht den gewünschten Erfolg brachte, wurde beschlossen, neue Wege zu gehen, was dazu führte, dass ein Araberhengst, nämlich „Zarif“, aus dem Kaiserlichen Gestüt Würtemberg angekauft wurde. Zarif kam 1858 auf das Frederiksborger Gestüt und wirkte dort fünf Jahre. Er zeugte unter anderem „Hamlet“, der später Stempelhengst im Amt Frederiksborg war und neben der Regulus- Linie die zweite Hengstlinie repräsentiert, auf die sich die heutige Frederiksborger Zucht stützt.

Zarif II


Mit dem Haustiergesetz von 1862 gingen die Zuteilung und die Finanzen für die Pferdezucht auf die Landwirtschaftsvereinigungen über, deren Mitglieder die Zucht des Frederiksborgers sehr ernst nahmen. Es wurden Tierschauen abgehalten, Zuchttiere wurden beurteilt und prämiert. Jedoch war man sich weitestgehend uneinig über die Zuchtziele und den Typus des Frederiksborger Pferdes, denn auf der einen Seite forderte der Staat Reitpferde für das Militär und auf der anderen Seite wollten die Bauern einen vielseitig einsetzbaren Pferdetyp erhalten.


Hamlet II


Die Uneinigkeiten führten unter anderem dazu, dass eine Reihe von Pferdezuchtverbänden gegründet wurde, die entweder auf Reinzucht oder Halbblutzucht setzten. Im Jahre 1943 gab es über fünfzig lokale Pferdezuchtvereinigungen, die sich mit der Zucht von Frederiksborgern beschäftigten. Befand sich bis dato hauptsächlich eine traditionelle und aktive Frederiksborgerzucht auf Seeland und Bornholm, breitete sich dieser Gedanke jetzt auch auf Fynen und Jütland aus. Von nun an ging es mit der Frederiksborger Zucht wieder bergauf, was dazu führte, dass die Prägung des Pferdetyps „Frederiksborger“ sich festigte. In den 50-er Jahren war die Nachfrage nach dänischen Pferden noch gut, danach nahm sie durch die Mechanisierung der Landwirtschaft rapide ab. Da es nun keine Nutzung mehr für das mittelschwere Landwirtschaftspferd gab, musste man sich in der Fredriksborger Zucht für eine grundsätzliche Typänderung entscheiden. Zwischen den Züchtern der 50-er und 60-er Jahre herrschte große Uneinigkeit darüber, inwieweit man sich mit anderen Zuchtverbänden, die Reit- und Sportpferde produzierten, zusammenschließen sollte, oder ob man die Reinzucht der Frederiksborger Rasse weiter betreiben sollte. Besonders die Seeländer ließen sich nicht auf die Typenänderung zum Reitpferd ein, was man in den Stammbüchern erkennen kann. Die Jütländer hingegen kreuzten gerne mit Fremdblut. So kam es dazu, dass gleichzeitig einige Hengste mit Fremdblut (primär Hannoveraner und Araber) und reinrassige Federiksborger in den Stammbüchern der 60-er Jahre nebeneinander auftauchen und sich sogar Frederiksborger Stammstuten bei den Dänischen Warmblütern (Sportpferderasse DV) finden lassen. Heute ist man restriktiver mit der Einkreuzung von Hengsten, die nicht Frederiksborger Abstammung sind. Hingegen gibt es keine Einschränkung der Anwendung von Frederiksborger Hengsten bei Stuten anderer Rassen, wodurch in den letzten Jahren immer noch Fremdblut eingekreuzt wurde. Trotz der vom Verband zugelassenen Regelungen, ist es zum Glück immer noch möglich, Individuen zu finden, die in 7 oder mehr Generationen reinrassig sind. Leider werden immer weniger reinrassige Frederiksborger gezüchtet. Die Erbgutkommission verweist in ihren jährlichen Zustandberichten darauf, dass zu wenig reinrassige Frederiksborger Fohlen geboren werden, um in naher Zukunft den Erhalt der reinen Rasse zu sichern, so dass das Frederiksborger Pferd auf der Liste der vom Aussterben bedrohten Haustierrassen steht.


Da die Frederiksborger Zucht in den letzten Jahrhunderten viele Änderungen durchlaufen hat, wurde sie zwar zu einer Pferdrasse mannigfaltiger Typen, deren Individuen jedoch eines gemeinsam haben: Ihren unvergleichlichen Charakter und Nerv, ihre Gelehrigkeit und Motivation. Nicht umsonst findet man in den wichtigsten Werken der Pferdeliteratur Beschreibungen des Frederiksborgers wie z.B. „fromm und feurig – einem Fürsten gerecht“. Wenn die Rasse für die Zukunft erhalten bleiben soll, ist es zwingend notwendig, dass so viele Frederiksborger wie möglich in die Zucht eingehen und dass mehr Wert auf die Bewahrung der wenigen reinen Abstammungen gelegt wird, als es aktuell der Fall ist. Nur dann kann man das großartige, lebendige Kulturgut „Frederiksborger Pferd“ für Dänemark und die Nachwelt erhalten.



Gipsnachbildung der Statue von Frederik V./ Saly